Krankenpflege und Standards





Ist Hausverstand in der Pflege noch gefragt?

Standards, Protokolle & Co

Als ich 2002 die Krankenpflegeschule besuchte, wurde uns "eingetrichtert", jeden Menschen ganzheitlich zu betrachten und nicht auf seine Diagnosen zu reduzieren. 

15 Jahre arbeitete ich leidenschaftlich gerne mit Patienten und war mit Leib und Seele Krankenschwester. Doch in den letzten Jahren veränderten sich, so wie in vielen anderen Berufen auch, die Arbeitsweisen. Die Richtung, in die diese Veränderungen erfolgen, haben mich dazu bewogen, die Arbeit als Krankenschwester an den Nagel zu hängen.

Ich hatte schließlich das Gefühl, dass die Arbeit am Computer und das Ausfüllen von Protokollen, Berichten, Standards und Leitlinien wichtiger waren, als die Arbeit am Patientenbett. 
Die Krankenstände beim Pflegepersonal häuften sich, man hatte immer mehr "einzuspringen" und in den Sozialräumen und Patientenzimmern wurde das Lachen weniger.

Das Schmerzprotokoll ist ein Skill, das sehr nützlich ist für Patienten, die wegen Schmerzen ins Krankenhaus kommen. Das ist kein Thema. Man kann den Verlauf der Schmerzen gut verfolgen und es ist meiner Meinung nach ein wichtiges Protokoll.
Doch schließlich kam die Order, für JEDEN Patienten ein Schmerzprotokoll anzulegen, wenn er in irgendeiner Form Schmerzen angab. 

Früher setzte ich mich ans Bett und fragte den Patienten, wie ich ihm helfen konnte... Oft waren z.B. Kopfschmerzen schon nach ein paar Minuten verschwunden, wenn man sich die Zeit nahm, einfach nur zuzuhören und dem Patienten etwas Aufmerksamkeit schenkte. 

Prozedere neu: mit dem Computer vor dem Bett stehend standardisierte Fragen stellen. Vor allem ältere Menschen fühlten sich sehr irritiert, wenn man Fragen stellt wie: "Auf einer Schmerzskala von 1-10... wie große Schmerzen haben Sie?"

Ich denke, dass die zunehmende Bürokratisierung dazu beiträgt, engagierte, mit Herz und Hausverstand arbeitende Menschen aus der Pflege zu vergraulen.

Was denkt ihr darüber?

Nächste Woche:

Barbare Manzenreiter 
spricht über
Klang- und Schwingungsfrequenzen

Ciao und Baba,
auf
"3 min IMK"

Eure
Isabella


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