War Weihnachten 1973 besser?
War Weihnachten 1973 besser?
Ich habe das Christkind gesehen
Im zarten Alter von fünf Jahren saß ich mit meinen Schwestern und mit meinen Eltern um den Adventkranz. Meine große Schwester hatte schon lesen gelernt und ich sah mir leid, weil vor ihr ein dickes Weihnachtsliederbuch lag.
Obwohl ich noch nicht alle Lieder auswendig konnte, sang ich doch mit immenser Begeisterung die geliebten Adventlieder.
Mein allerliebstes Lied war: St. Joseph geht von Tür zu Tür.
Meine Kinder fanden es immer viel zu lange, aber meistens setzte ich mich lachend durch, es bis zum Ende zu singen.
Ich saß da also um den Adventkranz mit den vier brennenden Kerzen. Der Duft von schmelzendem Wachs und dürr werdenden Tannennadeln stieg in meine Nase und ich rutschte unruhig auf meinem Sessel hin und her, während ich aus Leibeskräften mitsang. Die vierte Kerze brannte endlich und ich konnte es kaum mehr erwarten, dass endlich das Christkind kam.
Hinter meinem Vater, der mir gegenüber saß, befand sich das Fenster, das am frühen Abend nur mehr einen Blick in die Dunkelheit zuließ. Es hatte leicht zu schneien begonnen und einzelne Flocken reflektierten das schwache Licht der Kerzen.
Als ich vom Adventkranz kurz aufblickte und über meinen Vater hinweg den Schneeflocken vor dem schwarzen Hintergrund taumeln sehen wollte, geschah es!
Ich hatte gerade noch einen weißen Schatten gesehen. Es war Christkinds Flügel! Ganz sicher! Es hatte uns beim Singen zugesehen. Und als ich aufblickte, wollte es ungesehen verschwinden.
Mit meinen Söhnen war Weihnachten schön, als sie noch klein waren. Dann kam eine Zeit in der ich an Weihnachten immer enttäuscht war, weil ich dieses seltsame Kribbeln vermisste. Ich dachte, Weihnachten wäre zu einer Kommerzparty verkommen.
Aber nein!
Ich hatte nicht ordentlich hingeschaut.
Ich habe Weihnachten wieder in mir entdeckt und Frieden geschlossen mit dem Geschenkekauf. Ich begegne Menschen, die plötzlich offener, freundlicher, zufriedener und dankbarer sind. Fremde Menschen lächeln und rufen ein "Fröhliche Weihnachten" auf offener Straße.
Die Ebenezer Scrooges dieser Welt werden netter....
Kitschige Weihnachtsfilme, Glitzer und Lichter, wohin das Auge reicht. Es wird an Weihnachten mehr gespendet als über das ganze Jahr verteilt. Weihnachten ist doch mehr. Und jetzt spüre ich auch die Sehnsucht wieder.... die Sehnsucht von 1973.
Ich wünsche euch von ganzem Herzen einen schönen Start ins neue Jahr 2020.
Ein Jahr voller Liebe, Dankbarkeit, Gesundheit und Freude!
Alles Liebe,
Ciao und Baba,
bei "3 min IMK"
Eure
Isabella
Kommentare
Kommentar veröffentlichen